TESTBERICHT: Madshus Annum – Der Freerider unter den Backcountry-Ski

Der Annum 78 ist der breiteste Backcountry-Ski aus dem Haus Madshus und zählt damit zu den abfahrtsorientierten BC-Ski. Lediglich Fischer und Rossignol hatten mit dem S-Bound 125 bzw. dem BC 125 Positrak bisher noch breitere BC-Ski in ihrem Programm. Diese halte ich aber nur für die Verwendung mit Kunststoffschalenstiefeln geeignet. Solch extrem breite Ski mögen bei richtig tiefem Schnee ihre Vorzüge haben, die Abmessungen des Annum 78 versprechen auch ausreichend Auftrieb und vor allem auf hartem Schnee ist ein zu breiter Ski mit BC-Schuhen einfach nicht mehr gut aufzukanten. Im übrigen ist ein breiter Ski auch schwerer. So hat der Annum, mit einem Sidecut von 109-78-95, meines Erachtens die maximale sinnvolle Breite für Backcountry-Ski.

Hergestellt in der üblichen Cup-Bauweise mit Holzkern, ist er über die ganze Länge mit Stahlkanten ausgestattet. Es gibt den Annum in 165, 175, 185 und 195 cm Länge. In der kürzesten Ausführung wiegt das Paar 2320 Gramm. Obwohl für mich langen Lulatsch und meinem Skikönnen, theoretisch die 185cm Länge am passendsten wäre, habe ich zunächst die kürzeste Variante getestet.

Im Gegensatz zu anderen, schmäleren, mehr wanderorientierten BC-Ski weist der Annum nur eine geringe Vorspannung auf. Wäre nicht der Schuppenbelag, man könnte ihn für einen leichten Tourenski halten. Die Omnitrak-Steigzone ist immerhin 80 cm lang (bei 165 cm Skilänge) und im zentralen Bereich mit besonders griffigen Schuppen ausgestattet. In Kombination mit der Mittenbreite von 78mm verspricht das ein gutes Steigvermögen.

Als Bindung habe ich eine Rottefella Super Telemark mit Crispi Svartissen Schuhen verwendet. Diese Stabilität braucht es bei einem derartigen Ski mindestens. Noch abfahrtsorientierter wäre eine Kabelbindung und z.B. ein Scarpa T4 Telemark-Stiefel, ich bevorzuge aber die ganz leichte 3-Pin-Bindung mit Lederstiefeln.

Mit dieser Ausrüstung bin ich im Januar 2019 direkt von der ISPO nach Schliersee-Neuhaus gefahren und durfte dort den ersten Schönwettertag nach ausgiebigen Schneefällen genießen. Von dem Hotel Maria Theresia konnte ich schnurstracks durchs tief verschneite Dürnbachtal aufsteigen. Der Fahrweg hinauf in Richtung Bodenschneidhaus war von ein paar Frühaufstehern schon gespurt und in dem weichen Neuschnee kam ich ohne Felle gut voran. Diesen Test hat der Omnitrak–Belag damit schon Mal bestanden. 

Ausreichend Schnee in den Schlierseer Bergen

Oben im Almgelände angekommen zog sich eine frische Spur rechts hinauf zur Wasserspitz. Diese Gelegenheit ließ ich mir nicht nehmen. Also doch Felle aufziehen, in der Aufstiegsspur nachsteigen und die nächste Spur in diesen bis zu 35° steilen Osthang ziehen. Diese Steilheit war mit den Annum wunderbar zu fahren. Dank der geringen Länge und der leicht gerockten Schaufel drehten die Ski in dem tiefen, lockeren Neuschnee spielend leicht. Sie neigten sogar etwas zum Überdrehen. Mit einem längeren Ski hätte ich wohl noch schönere und längere Telemarkschwünge ziehen können.

Brecherspitz von der Wasserspitz aus

Nach diesem Abstecher ins Alpine folgte typisches Backcountry-Skigelände. Bei dem häufigen Auf und Ab, vom Bodenschneidhaus hinüber zur Freudenreichalm, kam ich ohne Felle flott voran. Auch die abschließende Abfahrt, wieder auf dem Fahrweg durchs Dürnbachtal, war dank der kurzen Ski und dem weichen Schnee ein Genuss. 

Später, bei einer Langlaufwoche im Bayerischen Wald, hatte ich den Annum wieder im Gepäck. Im März herrschten dort typische Frühjahrsbedingungen mit einer festen Altschneedecke. Auf den steilen Abschnitten, vom Brennes hoch zum Großen Arber, bin ich, anstatt Felle aufzuziehen, kurzerhand den größten Teil zu Fuß aufgestiegen. Die flacheren Passagen dagegen, konnte ich auch ohne Felle ganz passabel aufsteigen. Auch die harte Piste, der Tourenabfahrt hinunter nach Bodenmais, ließ sich mit dem Annum recht angenehm fahren.

Im Winter 2020/2021 hatten wir den Madshus Annum bei der Tour “Rund um die Hohe Hölle” in der Rhön dabei. Wir waren zu dritt und hatten dort außerdem noch den Rossignol BC 90 und den Alpina Discovery 102 im Einsatz. Eine gute Gelegenheit die drei Ski zu vergleichen. Der BC 90, mit seiner ausgeprägten Vorspannung, musste bergab etwas beherzter gefahren werden und gab bergauf nicht so guten Halt. Der Alpina war zwar bergauf griffiger als der Annum, in der Abfahrt aber deutlich langsamer. Somit war der Annum dort der absolute Testsieger. Hier das Video mit dem Madshus Annum im Einsatz:

Fazit: Der Madshus Annum 78 ist ein rundum gelungener Ski für alle Skiwanderer, die auch bei der Abfahrt ihren Spaß haben wollen, vor allem wenn sie sich auch in alpineres Gelände wagen möchten. Meine Längenempfehlung ist, eher einen kurzen Ski zu wählen. Bis 1,8 m Körpergröße und 75kg Körpergewicht empfehle ich deshalb die 165 cm Version. Damit hat man vor allem als Einsteiger einen leichten und drehfreudigen Ski für verschiedenste Bedingungen. Wer größer, bzw. schwerer ist oder als geübter Telemarker mit mehr Speed abfahren möchte, sollte 175 cm wählen.

Letzte Ergänzung, Februar 2020: Erfreulicherweise hat Madshus verlauten lassen, dass der Annum 78 ab der Saison 2021/2022 als Panorama M78 weiter verfügbar sein wird.

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