BACK TO THE ROOTS – Skiwandern mit Backcountry-Skiern

Backcountry-Ski ist die neudeutsche Bezeichnung vom Skiwandern abseits präparierter Loipen. Im Gegensatz zum englischsprachigen Raum wo der Begriff Backcountry-Ski die ganze Palette des Skitourengehens bezeichnet. Skiwandern heißt dort eher Ski-Trekking. Hierzulande meint man mit mit Backcountry-Ski aber Ski, die zwischen klassischen Langlaufskiern und typischen Tourenski einzuordnen sind. Ich verwende den Begriff Backcountry-Ski für alle Ski, die über eine permanente Steighilfe verfügen, mit Stahlkanten ausgestattet sind und im Gegensatz zu Tourenski stets mit „freier Ferse“ benutzt werden. Während es beim Skitourengehen meist um die Besteigung eines Gipfels mit anschließender Abfahrt geht, steht beim Skiwandern mit Backcountry-Ski mehr das genußvolle Vorankommen in unberührter Winterlandschaft im Vordergrund. Backcountry-Ski gehören damit eher zu den Langlaufskiern sind aber breiter und stabiler. Auch die Schuhe sind fester als reine Langlaufschuhe, damit man abseits der Loipe eine bessere Kontrolle über die Ski hat.

Damit sind Backcountry-Ski im Grunde recht traditionelle Ski, denn bis in die 1960er Jahre war man ja nur mit Lederstiefeln unterwegs. Erst mit der Verbreitung von Kunststoffschalenschuhen und dem Bau von immer mehr Skiliften entwickelte sich das Skifahren in eine andere Richtung. In Skandinavien dagegen hat sich die Tradition des Skiwanderns im „Hinterland“ erhalten, so dass Backcountry-Ski dort nach wie vor weit verbreitet sind. Aber auch in Frankreich, Tschechien und Nordamerika erfreuen sich Backcountry-Ski großer Beliebtheit. In Deutschland ist es dagegen noch weniger bekannt.

Das Spektrum der Backcountry-Ski reicht von den nordischen Fjell-Ski mit gut 2m Länge bis hin zu kurzen, breiten Gleitski, wie sie auch sibirische Jäger statt Schneeschuhen benutzen. Die klassischen skandinavischen Fjell-Ski sind ca. 55-70mm breit und werden mit Steigwachs gelaufen, was bei kalten Temperaturen auch gut funktioniert. Mittlerweile gibt es sie auch mit Schuppen oder abnehmbaren Kurzfellen. Ihr typisches Einsatzgebiet sind lange Skiwanderungen in hügeligen Gelände, man kann damit aber auch in der Loipe laufen. Wie bei Langlaufskiern hängt die optimale Skilänge und Härte vom Körpergewicht ab. Das andere Extrem, kurze, breite Gleiter, wie z.B. der OAC KAR, haben ihre Stärke in tiefem Neuschnee. Im Gegensatz zu den meisten anderen Backcountry-Ski, die mit einem Schuppenbelag als Steighilfe ausgestattet sind, haben diese in der Mitte meist einen permanenten Fellbelag. Damit und aufgrund ihrer Abmessungen, sind sie bergab eher langsam, aber deutlich schneller und genußvoller als Schneeschuhe.

Zwischen diesen beiden Extremen gibt es alle möglichen Backcountry-Ski in verschiedensten Längen und Breiten, mitunter auch stark tailiert mit ausgezeichneten Abfahrtseigenschaften. Allen gemeinsam ist der Vorteil, dass man mit solch einer leichten Ausrüstung kraftsparend und flexibel unterwegs ist. Im hügeligem Terrain muss man nicht ständig an- bzw. abfellen – nur für steile Anstiege empfiehlt es sich mitunter auch Felle dabei zu haben. Und falls es einmal nur noch zu Fuß weiter geht, ist das mit Backcountry-Schuhen genauso bequem wie mit Wanderstiefeln. Die leichten Ski merkt man am Rucksack sowieso kaum. Eine Marktübersicht zu Backcountry-Ski gibt es hier.

Schuhe und Bindungen für Backcountry-Ski gibt es aktuell in zwei verschiedenen Systemen. Die Salomon SNS-BC Bindung wird nicht mehr produziert, ist aber immer noch verbreitet. Die aktuelle NNN-BC-Magnum Bindung ist prinzipiell genauso aufgebaut aber nicht kompatibel. Beide sind im Grunde große Schwestern der jeweiligen Langlaufbindungen SNS bzw. NNN. Durch ihre größere Breite steht man aber stabiler auf dem Ski. Das andere System ist die Nordic 75 Norm für die entsprechenden klassischen Schnabelschuhe. Dieses Bindungssystem bietet vor allem dem abfahrtsorientierten Backcountry-Skiläufer eine noch bessere Skiführung. Vor allem für das Abfahren in Telemark-Technik ist dies von Vorteil.

Skiwandern im Odenwald

Touren für Backcountry-Ski bieten sich in Deutschland vor allem in den Mittelgebirgen an, denn gerade in gemäßigtem Gelände braucht man nicht unbedingt eine schwere Tourenski-Ausrüstung und andererseits möchte man nicht nur an das Loipennetz gebunden sein. Auch in den Vogesen und im schweizerisch-französischen Jura bieten sich gute Möglichkeiten für Backcountry-Touren. Man muss also nicht unbedingt bis nach Skandinavien reisen um sein Backcountry-Abenteuer zu erleben.